Lange war ich jetzt hier nicht mehr aktiv. Meine Energie ist woanders hingegangen. Ich habe jetzt ein gutes halbes Jahr wie ein Durchlauferhitzer gearbeitet und mich mit einer Flut von Einzelschicksalen beschäftigt.
370 – so viele Menschen habe ich in den letzten 8 Monaten im 4-Augengespräch erlebt. Alle wollten Etwas ändern. Viele steckten in einer Art Krisensituation. Manche haben geweint, andere geschimpft, viele waren ohne Emotionen. Einige haben von sich aus ihr Herz ausgeschüttet, anderen musste ich auf die Sprünge helfen, bis das Eis gebrochen war. Mit jedem hatte ich nur 1-2 Stunden zu tun.
30% der Menschen haben Entscheidendes in ihrem Leben geändert und eine Besserung Ihrer Situation erzeugt. 30% waren bereits schon auf einem guten Weg. 40% sind an manchen Stellen noch nicht bereit gewesen. Für mich war es interessant zu sehen, welche Faktoren denn hilfreich waren. In meiner Sammlung tauchten immer wieder folgende Faktoren auf:

Erklärung. Sie haben ihre Vergangenheit durchdacht. Wie auch immer. Auf alle Fälle haben sie ein Erklärungsmodell gehabt, um die Geschehnisse für sich zu erklären. Wichtig dabei war, dass sie sich selbst mit einbezogen haben. D.h. wer die Ursachen nur in der Umwelt sah oder bei anderen, hat es in der Regel nicht geschafft eine dauerhafte Veränderung zu beschreiten.
Sinngebung. Sie haben einen Sinn im Erleben der Ereignisse gefunden frei nach dem Motto “Es war das Beste, was mir passieren konnte. So hatte ich die Chance mein Leben zu ändern.”
Selbstwirksamkeit. Wer für sich Einflussmöglichkeiten entdeckt und umgesetzt hat, war erfolgreicher in der Veränderung als die sich hilflos fühlenden.
Viel Schläge können gut sein. Das fand ich sehr überraschend. Von aussen betrachtet ist es verwunderlich. So sind die Anzeichen einer Verschlechterung oft deutlich, aber bewirken tut es oft nichts. Manche Menschen müssen es anscheinend wirklich ganz hart bekommen, bevor eine Umorientierung stattfindet.
Umfassende Neuorientierung. Die Veränderung ist in vielen Fällen mit einer Abkehrung vom bisherigen Umfeld verbunden. D.h. sich von dem Freundeskreis lossagen, neuer Ort und neue Wohnung und zum Teil von der alten Arbeit.
Reden. Es zieht sich durch alle Fälle durch. Wir brauchen andere Menschen, um zu reden, uns auszusprechen und es zu verarbeiten.
Soziale Unterstützung. Ohne ein starkes soziales Netz scheint es fast unmöglich zu sein eine Wandlung zu vollziehen. Fast immer steht an erster Stelle eine Partnerschaft, in der es Zeit gibt für Gespräche, Verständnis und Unterstützung.
Zukunft. Auch eine Zukunftsplanung steht ganz oben als Bestandteile einer Veränderung. Wo soll die Reise hingehen.
Egoistisch. Dazu gehörte oft auch an sich selbst zu denken, etwas für sich zu machen, Hobbys auszuüben, sich etwas zu gönnen.
Dies war meine Beobachtung, die keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erhebt. Manchmal kam ich aus dem Staunen nicht heraus, welche Geschichten die Menschen erlebt haben, was einem Alles passieren kann. Und wie viel Menschen aushalten können. Dazu wahrscheinlich später.
ihr Fritz Horsthemke
Dieser Blog beschäftigt sich vor allem mit Haltungsfragen im Coaching und Leben. Und ich denke oft über dieses Thema zwischen Verzweiflung und Glück nach. Dies ist auch eine Frage an den Konstruktivismus. Wer glaubt es denn wirklich, dass wir von unseren Gedanken abhängig sind bzw. gestalten unser Gedanken unser Leben? So völlig meine ich.
Ich wage mich mal an die Analyse. Es geht wahrscheinlich um sichtbare, materielle Effekte und kurzfristige Erfolge und die Bekanntheit der Folgen. Bei Autofelgen ist sowohl der Preis als auch das Ergebnis klar. Ausserdem symbolisieren sie Erfolg, Geschmack und Status. Darüber hinaus werden sie einige Jahre am Auto bleiben.
Coaching ist eine Unterstützung Themen zu reflektieren, Entscheidungen zu treffen, Ideen zu kreieren und sich zu hinterfragen. Dies geht im Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder eben über das Telefon. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede.