Warum ist Coaching etwas anderes, als ein 4-Augen-Gespräch?

11. Mai 2012

Vielfach besteht die ausgesprochene Ansicht, ein Gespräch unter vier Augen, in dem der eine (Coach) dem anderen (Coachee) Tipps gibt oder zu etwas rät ist ein Coaching. Auf diese Art wird fast alles mit dem Etikett Coaching versehen wird. Dies ist die falsche Bezeichnung für solche Gespräche.

Was unterscheidet dann also Coaching von einem normalen Gespräch. Dazu muss die Frage gestellt werden, warum fällt es meistens so schwer etwas zu ändern oder eine neue Lösung für ein Thema zu finden. Würde ein Gespräch mit Tipps und Ratschlägen helfen, hätten dem Coachee wahrscheinlich schon all die früheren Gespräche helfen können, die er mit Freunden, Bekannten, Vorgesetztem oder Partner geführt hat. Oder eines der vielen und wertvollen Bücher, die es zu jedem Thema gibt.

Ein Unterschied im Coaching zu einem Gespräch ist demnach die Zielsetzung. Es geht nicht darum zu sagen, wie er etwas tun sollte, sondern dem Coachee aus seinen gewohnten Denkgewohnheiten zu holen. Der Anfang besteht darin das gewünschte Ziel genauer zu hinterfragen. Was möchte der Coachee erreichen? Zum zweiten ist der Auftrag an den Coach zu klären. Was erwartet er von seinem Coach?

Eine der größten Falle für den Coach besteht darin einen nicht passenden oder unerfüllbaren Auftrag anzunehmen. Oder anzunehmen er hätte eine Auftrag für etwas, was der Coachee nicht gesagt hat. Er könnte z.B. aufgrund seiner Erfahrung denken, dass es für den Coachee sicher sinnvoll sich in bestimmter Hinsicht zu ändern. Und schon nimmt er ihn an die Hand. Manchmal äußert der Coachee genau dies. „… Ich möchte, dass Sie mir sagen, was ich tun soll …“. Die Versuchung liegt darin das zu tun, weil es dem eigenen Expertenstatus schmeichelt oder man jemandem gerne helfen möchte und daraus die eigene Genugtuung zieht o.a.

Aber was spricht dagegen, dass man als Coachee genau das tut, wenn es der Coachee doch gerne möchte? Der Coachee gibt damit dem Coach die Verantwortung und ist im Falle des Scheiterns wieder mal fein raus. Das klingt jetzt absichtlich etwas überspitzt. Und doch kann dies ein Motiv des Coachees sein, um sich schon im voraus eine Entschuldigung für ein „Scheitern“ zu recht zu legen nach dem Motto „… ich habe auf einen erfahrenen Coach gehört und trotzdem wurde es nichts…“.

Damit kommen wir zu einem zentralen Unterschied zwischen einem Gespräch mit Ratschlägen und Coaching. Die Verantwortung für das eigene Ziel, Lösungsideen und die Umsetzung der Veränderung liegt beim Coachee und sollte da auch bleiben. Egal wie groß unser Helfer- oder Expertenego als Coach ist, wir dürfen uns nicht in Versuchung führen lassen, dem Coachee diese Verantwortung zu nehmen.

Coachees sind erwachsene Menschen mit Ressourcen, von denen der Coach sicher nur einen Bruchteil kennt. Ebenso gehe ich davon aus, dass der Coach das Thema des Coachees nur in Ansätzen verstehen wird und wenn auf eine andere Weise als der Coachee selbst. Diese andere Perspektive kann eine Bereicherung für den Coachee sein, muss aber nicht Die richtige Lösung sein.

Gerade das anders sein und denken des Coaches ist ein wesentlicher Teil für die Lösung. Der Coachee wird versuchen Lösungen für sich aus den anderen Strukturen des Coaches zu entwickeln. Nicht der Coach sollte versuchen, sich dem Coachee soweit anzupassen, dass er ihn vollkommen versteht und für ihn die richtige Lösung findet.

Die Verantwortung des Coaches ist dagegen klare Trennlinien zu ziehen.

  1. Was ist das Ziel des Coachings?
  2. Welchen Auftrag hat der Coachee für den Coach?
  3. Will der Coach diesen Auftrag annehmen, weil er sich dafür in der Lage sieht?

Ein wesentlicher Unterschied sind also klare Rollenverteilungen. Der Coach hat die Verantwortung für die Struktur und dafür neue Perspektiven und Veränderungen beim Coachee zu erzeugen, aber nicht für Ziele und Inhalte. Das liegt ganz beim Coachee. Auf keinen Fall ist Coaching jemanden etwas bei zu bringen, ihm zu sagen wie der Hase läuft oder ihm zu raten etwas Bestimmtes zu tun.

Ihr Fritz Horsthemke

Sich wirklich ändern?

12. November 2010

Lange war ich jetzt hier nicht mehr aktiv. Meine Energie ist woanders hingegangen. Ich habe jetzt ein gutes halbes Jahr wie ein Durchlauferhitzer gearbeitet und mich mit einer Flut von Einzelschicksalen beschäftigt.

370 – so viele Menschen habe ich in den letzten 8 Monaten im 4-Augengespräch erlebt. Alle wollten Etwas ändern. Viele steckten in einer Art Krisensituation. Manche haben geweint, andere geschimpft, viele waren ohne Emotionen. Einige haben von sich aus ihr Herz ausgeschüttet, anderen musste ich auf die Sprünge helfen, bis das Eis gebrochen war. Mit jedem hatte ich nur 1-2 Stunden zu tun.

30% der Menschen haben Entscheidendes in ihrem Leben geändert und eine Besserung Ihrer Situation erzeugt. 30% waren bereits schon auf einem guten Weg. 40% sind an manchen Stellen noch nicht bereit gewesen. Für mich war es interessant zu sehen, welche Faktoren denn hilfreich waren. In meiner Sammlung tauchten immer wieder folgende Faktoren auf:

Baum

Erklärung. Sie haben ihre Vergangenheit durchdacht. Wie auch immer. Auf alle Fälle haben sie ein Erklärungsmodell gehabt, um die Geschehnisse für sich zu erklären. Wichtig dabei war, dass sie sich selbst mit einbezogen haben. D.h. wer die Ursachen nur in der Umwelt sah oder bei anderen, hat es in der Regel nicht geschafft eine dauerhafte Veränderung zu beschreiten.

Sinngebung. Sie haben einen Sinn im Erleben der Ereignisse gefunden frei nach dem Motto “Es war das Beste, was mir passieren konnte. So hatte ich die Chance mein Leben zu ändern.”

Selbstwirksamkeit. Wer für sich Einflussmöglichkeiten entdeckt und umgesetzt hat, war erfolgreicher in der Veränderung als die sich hilflos fühlenden.

Viel Schläge können gut sein. Das fand ich sehr überraschend. Von aussen betrachtet ist es verwunderlich. So sind die Anzeichen einer Verschlechterung oft deutlich, aber bewirken tut es oft nichts. Manche Menschen müssen es anscheinend wirklich ganz hart bekommen, bevor eine Umorientierung stattfindet.

Umfassende Neuorientierung. Die Veränderung ist in vielen Fällen mit einer Abkehrung vom bisherigen Umfeld verbunden. D.h. sich von dem Freundeskreis lossagen, neuer Ort und neue Wohnung und zum Teil von der alten Arbeit.

Reden. Es zieht sich durch alle Fälle durch. Wir brauchen andere Menschen, um zu reden, uns auszusprechen und es zu verarbeiten.

Soziale Unterstützung. Ohne ein starkes soziales Netz scheint es fast unmöglich zu sein eine Wandlung zu vollziehen. Fast immer steht an erster Stelle eine Partnerschaft, in der es Zeit gibt für Gespräche, Verständnis und Unterstützung.

Zukunft. Auch eine Zukunftsplanung steht ganz oben als Bestandteile einer Veränderung. Wo soll die Reise hingehen.

Egoistisch. Dazu gehörte oft auch an sich selbst zu denken, etwas für sich zu machen, Hobbys auszuüben, sich etwas zu gönnen.

Dies war meine Beobachtung, die keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erhebt. Manchmal kam ich aus dem Staunen nicht heraus, welche Geschichten die Menschen erlebt haben, was einem Alles passieren kann. Und wie viel Menschen aushalten können. Dazu wahrscheinlich später.

ihr Fritz Horsthemke

Altes verarbeiten oder Neues erfinden?

09. Mai 2010

Zwei Richtungen streiten sich schon lange – sollten wir Altes verarbeiten oder lieber Neues erfinden?

Für die Aufarbeitung stehen verschiedene bekannte Schulen und Denkstile. Das zentrale Thema ist meistens die Analyse des Vergangenen…. Weiterlesen »

Mit Coaching reifen, um gut zu führen

25. April 2010

Orientierung und Sicherheit durch Führung zwischen Tyrannei und Laisser-faire

DIES IST EIN LANGER ARTIKEL UND NUR GEEIGNET FÜR LESER, NICHT FÜR GUCKER!!!!

LESEN ALSO AUF EIGENE GEFAHR!

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Sind wir wirklich das Produkt unserer Gedanken???

09. April 2010

Ereignisse – 4546Dieser Blog beschäftigt sich vor allem mit Haltungsfragen im Coaching und Leben. Und ich denke oft über dieses Thema zwischen Verzweiflung und Glück nach. Dies ist auch eine Frage an den Konstruktivismus. Wer glaubt es denn wirklich, dass wir von unseren Gedanken abhängig sind bzw. gestalten unser Gedanken unser Leben? So völlig meine ich.

Angenommen es geht ihnen schlecht, die Arbeit ist weg, sie können die alltäglichen Belastungen nicht mehr schultern, die Reserven sind auch weg und ihr Lebensplan ist nicht mehr umzusetzen. Dafür gibt es Verpflichtungen, die sie erfüllen müssen z.B. Unterhaltsleistungen. Was machen sie dann? So tun als ob, es wird schon … ist doch gar kein Problem??? Weiterlesen »

Lieber neue Autofelgen als Coaching

08. April 2010

Ich denke, Menschen geben eher Geld aus für neue, schicke Autofelgen als für Ihren Kopf, Ihren Erfolg, Ihre Psyche. Ein Satz Felgen kostet gut das 4-fache wie eine Coachingstunde für Selbstzahler. Das ist interessant. Wer kennt die Gründe?

16.04Ich wage mich mal an die Analyse. Es geht wahrscheinlich um sichtbare, materielle Effekte und kurzfristige Erfolge und die Bekanntheit der Folgen. Bei Autofelgen ist sowohl der Preis als auch das Ergebnis klar. Ausserdem symbolisieren sie Erfolg, Geschmack und Status. Darüber hinaus werden sie einige Jahre am Auto bleiben.

Coaching steht eher für Reparatur, vergleichbar mit Therapie. Viele wissen nicht, was es bringen soll. Und wer weiss wie schnell sich die Erfolge einstellen werden. Ausserdem es geht doch, man lebt schließlich, warum sollte ich mich mit dem Thema beschäftigen. Andere machen das auch nicht. Weiterlesen »

Ist ein Telefoncoaching vergleichbar mit einem normalen Coaching?

29. März 2010

Für viele ein Sakrileg – Coaching am Telefon. Oh Gott, das geht doch gar nicht. Wieso?

Foto am 29-03-2010 um 16.51Coaching ist eine Unterstützung Themen zu reflektieren, Entscheidungen zu treffen, Ideen zu kreieren und sich zu hinterfragen. Dies geht im Gespräch von Angesicht zu Angesicht oder eben über das Telefon. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede.

Im Präsenzcoaching können wir uns sehen. Dies wird häufig als Vorteil gesehen und als Nachteil für das Telefoncoaching betrachtet. So wird angemerkt, „… es fehle der ganzheitliche Eindruck…“. Es stimmt Gestik und Mimik werden nicht visuell wahrgenommen. Dies wird von vielen als Informationsverlust betrachtet. Wie man es nimmt.

Die Frage ist, welche Informationen gehen denn damit verloren? Weiterlesen »

Damit wird man/frau bestimmt erfolgreich, ohderrrr?

19. März 2010

Warum eigentlich immer so akademisch coachen. Hier gibt es ein einfach(es), tolles Coachingangebot. Wirklich spitzenmässig, absolute Superklasse.

Es gibt auch etwas zum Anschauen.

Und wenn man gleich dabei ist, kann man gleich auch noch Produkte testen.

Bin neugierig auf Testberichte.

Ihr Fritz Horsthemke

Wie Reflektieren?

15. März 2010

Und haben Sie sich Ihre Ergebnisse schon angeschaut? Wie funktioniert es bei Ihnen über Ihre Fortschritte zu reflektieren? Ich mache es wie folgt:

  1. Betrachten, was hat sich geändert? -> Erste Erfolge, wenn sich überhaupt etwas ändert.
  2. Was hat sich schon mal in die richtige Richtung bewegt? -> Sehr gut, davon brauchen Sie mehr. Wiederholen Sie es.
  3. Wie haben Sie das gemacht, dass es sich in die richtige Richtung bewegt hat? Können Sie das variieren, um Ihre Wirkung zu verbessern? Geht es grösser, schneller, langsamer, bunter, leiser usw. Variieren Sie es mal systematisch, wenn Ihnen der Ursache-Wirkungszusammenhang noch nicht klar ist.
  4. Haben Sie nur wenig Energie dafür gebraucht? Das wäre gut. Wenn es noch zuviel Energie kostet, weil es ungewohnt ist, anstrengend oder anders, versuchen Sie es mal mit weniger. Oft geht es um Gewohnheiten, die kann man auch langsam ändern. Am besten bauen Sie es langsam, aber kontinuierlich Woche für Woche aus.
  1. Lassen Sie auch Misserfolge zu. Das gehört zum Lernen dazu.
  2. Betrachten Sie ab und zu Ihre Fortschritte in Ihrem Plan. Ist es noch die richtige Richtung. Denken Sie an die Fahrschule. Ein paar Fahrstunden braucht man schon bis zum Führerschein.

Ihr Fritz Horsthemke

Kann man online coachen?

11. März 2010

Geht das online jemanden coachen? Die meisten tun sich trotz web 2.0 schwer an moderne Formen der Kommunikation zu glauben. Wer Lust hat, kann mal ein Onlinecoaching verfolgen.

Ihr Fritz Horsthemke